© DAV Teisendorf

Zwischen Fels, Freundschaft und Freiheit

31.03.2026

Eine Kletterexpedition durch Bosniens wilde Landschaften

Tag 1 / 31. März

00:01 Uhr: Dunkel wars, das Fernlicht schien ganz schön helle,

am Steuer saß Anni die Schnelle

und fuhr mit 80 durch die Baustelle.

Vorne warm und hinten kalt,

selbst bei Sturm und Schnee (vier Kreditkarten hoch) macht sie nicht halt.

Die Brut schlief ruhig, sie hätts gern warm,

drum zittrig hielt sie die Kuh im Arm.

Der Bus war hoch, der Mautknopf tief,

und die gesamte Straße bucklig und schief.

Zwischen Tank und Pinkelstopp,

vergingen zehn Stunden wie im Galopp.

Am EkoCentar angekommen, von weitem der Esel begrüßt uns mit lautem Geschrei,

die Ziegen duften ohwei, ohwei!

Mit schwerem Rucksack auffi auf den „Berg“ gequält,

doch Selina merkt schnell: Das Wichtigste fehlt!

Zum Auto zruck gings fix,

weil ohne Kaffeepulver wird’s mit Bialetti nix.

Der Grip am Fels gar wunderbar,

nicht wie in Arco, wo schon jeder war.

Zwischen Kesselpfeifen und Goaßngschrei,

herst nu schreien „der naxte Tritt geht oiwei“.

Von Weitem ist der Ruf des Muezzin vom Wind getragen, 

die fleißigen Kraxler zur Brotzeit in der Sonne lagen.

Tritt um Tritt, Zug um Zug,

immer größer wird der Mut.

Tobi nur am Denken „weiter links, weiter links – naaa des andere links“,

der Rest sich in den Routen am Verrenken.

Vom letzten Seil der Fels wollt sich nicht trennen, 

drum fing Tobi an senkrecht zu rennen.

Die Villa Kunterbunt unter Beschlag genommen,

schon wurde auch schon mit der Küchenschlacht begonnen.

Die Mägen gestopft, der Topf noch voll,

des gibt moang an saubern Nudelsalat, wie toll.

Mit der Zimmereinteilung waren wir nicht ganz zufrieden, 

drum wurd eiskalt das Bett ausm Zimmer geschieden.

Selina: „Mein Bett wurde geklaut“,

die neugegründete Innenausbau GmbH hats ihr geraubt.

Das Kinderzimmer nun hat zwar keinen Boden mehr,

s’Betreuerzimmer dafür jetzt hat viel Platz so leer.

 

Die Nacht im Bus war zwar kurz, aber wir san guad. 

Drum herts guad zu, was sich in Bosnien faktisch so duad:

-          Die erste elektrische Straßenbahn in Europa fuhr in Sarajevo – noch vor London!

-          Das Land hat drei Präsidenten gleichzeitig. Und das komplizierteste politische System auf der ganzen Welt.

-          Mostar, die nächste Stadt von unserem Basecamp, ist durch eine Brücke in zwei kulturelle Teil-Orte getrennt.

-          Berlin hat mehr Einwohner als ganz Bosnien zusammen.

-          In Bosnien gibts die Visoko Pyramide, die sogar höher ist als die Cheopspyramide in Ägypten.

-          UND: Bosnien hat in jedem Dorf mindestens eine Apotheke. Medikamenteversorgung ist 24/7 verfügbar und die Medikamente sind deutlich günstiger als in Deutschland.

 

In diesem Sinne: 1864 – Prost und gute Nacht!

Tag 2 / 01.April

April, April, er macht was er will – bzw. der Wind.

s’Betreuerteam hats gleich in der Früh gschafft, die ersten von hinten zu werden. Während alle am Tisch saßen, um mit dem Frühstück zu starten, mussten wir auf das Läuten von deren Wecker warten.

In Zwiebelschichten eingepackt, haben wir es dann gestärkt im Schneckentempo geschafft, gegen 80km/h Gegenwind anzukämpfen. Emma mit dem Topo in der Hand, als Tourenleiter voran. Surprise, surprise – da war ein Klettersteig und eine Pfütze. Tobi rennt als erster zur Pfütze und merkt aufgeregt, er ist spitze (…er kennt alle Entwicklungsstadien eines Frosches – bei Fragen konsultieren Sie die Gruppe, die kennen sich jetzt auch aus). Während wir uns also für den Zustieg via Drahtseil rüsteten, waren die Weinbergschnecken schon lang im Überhang. Auf dem Weg durch die Schlucht, war der Wind nun plötzlich weg, doch hatte er angekommen im ausgewählten Klettersektor sein starkes Comeback. 

Nach Materialcheck, Sicherheits-Inputs und ein paar Umbauübungen wollten wir gern klettern, doch schon ein paar Routen später waren die Hände nicht nur kalt, auch die Kraft reichte kaum mehr gegen die Böen nicht ins Seil zu fallen. Deshalb machten wir uns auf den Weg sehr bald und es ging über weitere oberaffensteilgeile Klettersteigpassagen hoch hinauf. Doch das härteste stand uns noch bevor: Nach einer kurzen Ziegen-Steinattacke gings in die nächste Etappe – mit flottem Schritt, der Wind bließ uns fast fort, schwankten wir wie mit 3 Promill‘ rauf zur Burgruine Stjepan Grad auf dem felsigen Sporn des Berges Orlovac. Endlich im Windschatten angekommen wurde die Brotzeit ausgepackt. Danach gings auf Entdeckungstour und auch wenn der Wind auf dem Burgturm zum Fallschirmspringen bergauf gereicht hätt, wir habens irgendwie geschafft, die Bayernflagge zu hissen und unsere DAV Sticker am Masten zu befestigen.

Danach gings direkt weiter zum Bouldern an der Burgmauer bis wir schließlich auf einem 6-7m hohen Vorsprung saßen. Die Überwachungskamera hat bestimmt schon lange nicht mehr so verrückte Sportskanonen gesehen. 

Kaum haben wir die Burg verlassen, verfolgte uns der Wind auf allen Straßen. Bergab gings durch Granatapfelbäumen, Müll (leider ein riesen Problem in Bosnien) und kaputten Autos zurück zur Villa Kunterbunt. Zu viert gings noch ins Abenteuer Supermarkt, denn aufgeteilt in Kochteams wars nun unsere Aufgabe, was leckeres für die hungrigen Mägen zu zaubern. Währenddessen waren die anderen schon zum kreativen Sitz-Duschen in  der Badewanne am Start – das Ziel: Keine Überflutung ohne Duschvohang für die Bewohner des Unterhaus. :P Während DER Betreuer, dessen Name nicht genannt werden möchte dennoch das Bad in einen Pool verwandelte, wurden Wraps, natürlich selbst der Teig von Hand gemacht und rausgebraten (ohne Witz, die Mädls haben sich nichts gschenkt), vorbereitet. Die anderen informierten sich im Interesse aller über weitere Facts zu unserem Reiseziel.

„Zdravo koko si?“ à Nach dem Essen auf alle Fälle spitze!

„Ćao!“

Tag 3 / 02. April

Überraschuuuuung, in der Früh gabs Frühstück. Danach ging es direkt los mit unserem liebsten Reisemobil nach Mostar. Nach kurzer Fahrt landeten wir direkt in der Altstadt von Mostar. Wir spürten die holprigen Steine unter unseren Füßen, rochen das duftende Essen der Restaurants und sahen strangulierte Puppen in traditioneller Bekleidung. An vielen Souvenirläden vorbei, landeten wir an der „Stari Most“, der besagten alten Brücke, die den muslimisch geprägten Ostteil mit dem katholisch geprägten Westteil der Stadt und gilt daher seit Jahrhunderten als symbolisches Bindeglied zwischen Morgen- und Abendland verbindet. Ursprünglich erbaut im Jahr 1566 als Meisterwerk der damaligen Ingenieurbaukunst, wurde sie im Bosnienkrieg  im Jahr 1993 von kroatischen Verteidigungstruppen zerstört und 1995-2004 wieder aufgebaut. Im Sommer springen wagemutige Bosnier (illegal) von der Brücke, wenn sie genug Geld gesammelt haben – Überlegungen, sich damit die nächste Kletterreise zu finanzieren standen im Rau, wurden aber beim Blick hinab in die Fluten doch wieder verworfen.

Danach besuchten wir leise Moscheen und begegnetem einem kleinen, besoffenen, laut singenden Mann, der über die Brücke torkelte. Dann auf dem Weg zur Neustadt, begegneten wir dem Sniper Tower, der uns nicht so warmherzig begrüßte. Er war wahrscheinlich gedemütigt, weil er im Bürgerkrieg 1995 für einen dunklen Zweck missbraucht wurde und heute vermüllt wird. Früher war er schließlich ein schickes Bankgebäude. 

Nebenan testeten wir bei einem kurzen Stopp am Spielplatz eine Rollstuhlschaukel, kletterten auf verschiedenste Dinge (z.B. Bäume) und machten Calestenics auf dem verrosteten mini-Klettergerüst. 

Dann gings weiter zur Grabstätte Nekropole, wo Anni den falschen Weg nahm und auf einmal vor einer drei Meter hohen Mauer stand. Kopfhüber hing sich Tobi oben hin, gehalten von uns sechs Starken, und gemeinsam zogen wir sie hoch. Kaum gerettet ging es einen „offiziellen“ Weg von Tobi weiter: Durch kaputte Zäune und stachliges Gebüsch. 

Dann ging es weiter in flottem Schritte Richtung Hum, auf dem ein massives Gipfelkreuz stand. Das Kreuz ist heute sehr umstritten, weil es als christliches Symbol als einziges höher als die Türme der Moscheen im muslimisch geprägten Mostar von oben herab auf die Stadt schaut. Als Windschutz wars so semi gut, dennoch gabs ne kurze Brotzeitpause, bevor wir uns zu den mal mehr, mal weniger gut erhaltenen Bunkern ging. Rauf und runter sind wir durch mit Dornen bewachsene Waffenaufzugschächte geklettert. Ganz schön gruslig, wenn man sich vorstellt, dass sich Menschen so hassen können, dass sie solche Schießanlagen gebaut haben. Nach dem windigen Rundgang gings wieder steil bergab in die Altstadt, wo wir uns die freie Zeit folgendermaßen vertrieben haben. 

1.      Kaufen von Innenausstattungs GmbH Armbänder.

2.      Wiedersehen mit dem besoffenen Mann.

3.      „Terrorisieren“ einer Eisverkäuferin durch Probieren jeder Eissorte und nicht verständlichem Englisch; trotz unserer Mühen.

4.      Misslungener Versuch den Preis runterzuhandeln.

5.      Schlittern über die glatten Steine der Brücke. 

6.      Verzweifelte Suche nach Mülleimer…

7.      Schockiertes und trauriges Sehen eines ca. 5-jährigen Mädchen beim Betteln.

8.      Zuschauen einer Ente, die sich im Kreis drehte.

Dann ging es zum Bus und weiter zum Einkaufen. Bei der Kasse war der Einkauf riesig, sodass die Verkäuferin gelacht hat undsich ein Käffchen geholt hat.

Dann gings zurück nach Blagaj in die Villa Kunterbunt. Auf der Fahrt hatte Viki einen Lachkrampf: „Rollt ein Auto um die Ecke und kippt um.“

Als Abendessen wurden die Nudeln und Reis vom Vortag vertilgt. Dann kam unser Vermieter und es stellte sich heraus, dass er Chiropraktiker und Naturheilkundler war. Da hat er Tobi erstmal im Gang mit vollem Körpereinsatz restauriert. So viele Themenwechsel in einem Satz schaft nur Adnan – und doch, trotz teilweise schneller und unverständlicher Sprechweise fühlte sich Tobi nach dem ganzen Knacken und Knarzen seiner Gelenke fast wie neugeboren. Wir lernten dann noch einiges über Adnans Lieblingsheilpflanzen und wie man Cremes und Salbe selber herstellt. Als er ging meinte Erik nur: „Das war wie eine Englisch Listening, nur ohne Wasserfall.“

Tag 4 / 03. April

Nach dem Frühstück ging es schnell zum Eko Centar, wo wir auf halbem Weg eine Kröte auf einem Stein gesehen haben. An dem Froschteich sind wir auch wieder vorbeigekommen – heute waren schon viel mehr Frösche da als vorgestern. Im Klettergebiet (Sektor) angekommen haben sich alle Seile und Exen geschnappt und sind losgeklettert. Das Wetter hat heute endlich mal gscheid mitgespielt, sodass sich die Felswand von einer ihrer besseren Seiten gezeigt hat. Wir waren schon fast überrascht, dass wir uns nicht so festkrallen musste, dadurch waren die Routen gleich deutlich einfacher und das Sichern viel angenehmer. 

Nachdem wir einen Marienkäfer gerettet haben und ein Skelett von einem Frosch gefunden haben, gings weiter nach unten zum Brotzeitplatz im Eko Centar. Unser Vermieter Adnan, der auch das Eko Centar leitet hat uns währenddessen erzählt, wie das Klettergebiet rund um Blagaj überhaupt entstand. Dabei gabs sauguade selbstgemachte Salbeilimo, frisch gepfückt zwischen den Felsen, und Kräuterkunde. Wusstet ihr z.B. dass Johanniskrautöl auch bei Mückenstichen Linderung bring oder frisch zerriebene Zitronenmelissenblätter Herpes bekämpft?

 

2007 gegründet liegt heute ein zentraler Fokus auf Naturschutz und Umweltbildung. Vor allem der Schutz des Wassers, gezielt der Buna, die in Blagaj entspringt, liegen den Betreibern sehr am Herzen. So erzählte uns Adnan in beeindruckender Bildsprache, wie sie gut zwei Jahre lang Autos, LKW Reifen, kaputte Waffen, Möbel und tonnenweise Hausmüll und Schrott aus dem „Talschluss“ entfernt hatten, um die Umgebung überhaupt wieder betretbar zu machen. Auch die Wiederansiedlung der während des Krieges in der Gegend ausgerotteten Gänsegeier sowie der Schutz zahlreicher bedrohter Tiere sind Herzensprojekte. Das Zentrum verbindet Naturschutz mit Bildungsarbeit und hat bereits zahlreiche Schulprogramme, beispielsweise auch Fliegenfischen, umgesetzt, die insbesondere den Austausch zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen Bosniens stärken. Ziel ist es, durch Umweltbildung auf lokaler Ebene langfristig auch globale Verantwortung zu fördern sowie die nachhaltige Entwicklung der Region zu unterstützen. Dabei spielt auch der Klettersport eine große Rolle erzählte Adnan weiter, denn über den Sport sind die Menschen aus aller Welt überhaupt erst auf die Gegend rund um Blagaj aufmerksam geworden. Das Gebiet hätte noch unfassbar viel Potenzial, doch der Schutz der ansässigen Flora und Fauna, der artenreichen Vogelwelt und Mikroorganismen wie z.B. seltener Pilze hat oberste Priorität – O-Ton Adnan: „Die Kletterer die kommen sind aber alles Naturfreunde und respektieren das. Die meisten haben sehr großes Interesse an unserer Arbeit und freuen sich über ein bisschen verbleibende Wildnis – solange die Routen sauber gewartet sind. Manchmal würden sie gerne neue Linien bohren, aber das geschieht wenn dann nur in Absprache mit dem Team vor Ort. Wir sind sehr froh, durch das Klettern so viel Aufmerksamkeit auf die Natur hier lenken zu können.“

 

Eine weitere Überraschung gelang unseren Jugendleitern auch noch: Mit einer schokoladigen Geburtstagstorte, die nach Milchschnitte mit Orange schmeckte, original verziert mit Kerze und selbstgebasteltem Zahlenersatz aus einem kleinen Zweig ließ es sich die Gruppe nicht nehmen, dem Geburtstagskind ein Ständchen zu singen. 

Die paar Kalorien zu viel, die der Zuckerkuchen hatte waren nicht weiter schlimm, da wir die Energie für das anschließende Versorgen der Esel gut gebrauchen konnten. Die Esel, vor allem DaVinci der Babyesel, waren soooo putzig. Wir durften sie streicheln, putzen, und mit zwei Tage alten Semmeln füttern. Sie sahen so lecker aus, dass wir direkt selber probieren mussten. Der Mitarbeiter aus dem Eko Centar fand das nach seinem eher seltsam, aber die Semmeln waren echt guad.

Währenddessen erfuhren die Erwachsenen noch mehr über die Entstehungsgeschichte des Eko Centars und die Hintergründe und vor allem auch politischen Probleme im Land. Geichzeitig durften sie kulinarische Trinkgenüsse durchprobieren und Adnan und sein Freund erzählten viel aus der Kriegszeit. Es wurden Erfahrungen und Geschichten aus der Jugendarbeit ausgetauscht und Ideen für neue gemeinsame Projekte geschmiedet. Kurzerhand wurde das jährliche Kletterfestival in Blagaj nach dem ein oder anderen Getränk einfach um eine Woche verlegt, damit Anni, Selina und Tobi dabei sein können.

Schweren Herzens trennten wir uns irgendwann von unseren neuen Freunden und starteten zurück zur Wohnung. Dort wurde frischer Pizzateig zubereitet und während dieser ging, haben wir noch im Bach gebadet. Es war zwar saukalt, aber trotzdem sind alle reingegangen, die es gesagt haben. Zum Glück hat Tobi den Holzofen im Apartment eingeheizt und wir hatten den Boiler laufen gelassen – eine warme Dusche tat echt gut!

Die Pizza war dann der krönende Abschluss des Tages. Dazu gabs selbstgemachten Wildgranatapfelsaft von Adnans Freund -  so guad!  

TAG 5 / 04. April

Heute gab es mal wieder Frühstück. STOPP! Vier von uns waren davor noch baden. STOPP! Drei von uns. Im Bach Buna, der direkt vor der Haustür vorbeifließt.

Ohne Brotzeit – STOPP – Anni schleppte alles mit, ging es mit dem Vereinsbus Richtung Berg. Am Kletterfels angekommen ging es erstmal zu einer kleinen Hütte / Biwakschachtel, in der wir große Differenzen zwischen einem bosnischen und deutschen Erste-Hilfe Set entdeckten: Raki + Klopapier!

Nach einigen saucoolen Klettertouren bekamen wir eine Aufgabe: Wir sollten ein anschauliches Naturbuffet für alle anrichten, was wir sehr gut gemeistert haben. STOPP. Leider kamen immer wieder Windböen, aber Essen mit dem Mund fangen ging auch ganz gut.

Im Sektor Rebro wurden wir von einem super knuffigen Hund verfolgt, weshalb wir unser Essen wieder in die Hütte packen mussten. Nach der Mittagspause ging es dann auf die andere Seite des etwa ein bis zwei Meter dicken Felskamms. Nachdem Emilia eine spiegelglatte 5c Route bis zu 6. Exe vorgestiegen ist, hat es Emma auch versucht. Allerdings ist sie noch nichtmal zur zweiten Exe gekommen, aber schon 12 mal gestürzt. Währenddessen Hannah in der Route daneben: „Interessant wie weit des Loch nach oben geht, kann mir mal jemand a Hirnbirn raufschmeißen?“ – und schon steckte ihr Kopf drin. Außerdem hats gemeint, sie kann de Tour ned, weil de Fias ned halten, dann ist sie die 5c einfach durchgestiegen und meinte: „Ich rede fließend ironisch mit sarkastischem Akzent.“ Daraufhin Anni: „Hannah halt sich an Löcher fest, da dad ich im Traum ned dran denken, dass des a Loch sein kunnt.“

In der anderen Nebenroute betrieb Erik zeitweise Sporthängen und palaverte aus dem Nichts: „Oh Shit, not goooood!“ Emma: „Greif in den Spalt.“ Erik: „Welcher Spalt? Asoooo du meinst den Spalt Spalt.“ Botanisch wurds auch noch wenn man Erik fragt: „Aua, die hat mich gebissen die Rose!“ Bauchmuskelkater an dem Abend kam eher weniger vom Klettern…

Dann gings wieder retour auf die andere Seitezum Sonne tanken. Währenddessen hat Emilia die 5c auch geschafft und Anna ist in einer Route gefallen, wo man eigentlich nicht fallen kann. Emma ist dann auch noch eine andere 5c hoch gerobbt, während Viki einfach wie eine Vergaste hochgerannt ist. Erik, unser Lord Helmchen, sah beim Sichern aus wie ein Kleinkind beim Ritter spielen, gesichert hat er damit aber super. Die Wiese zwischen den Felsen war scheinbar so bequem, dass wir Viki kaum mehr wachbekommen haben – in die Hängematte wollt sie auch nicht. 

Wir wollten den Felsen eigentlich gar ned verlassen, sondern lieber in der Hütte schlafen, aber des wär dann doch a bisserl kalt worden. Drum ist der Tobi flott zurückgefahren, dass die Anni in der Kurve meinte „Sag mal wolltst du an Drift hinlegen?“

Nach Badepause im See und Sonnenbaden auf den Terassenfliesen wurden Kopfhörer gesucht, Eriks Alter geraten und abends haben Emma, Emilia und Hannah noch einen Osterkuchen gebacken, während Anna immer wieder geschickt wurde, um Sachen zu holen. Erik und Viki haben derweil Gnocchi mit Tomatensauce gekocht, während lautstark Rammstein lief. Die kuhle Outdoorküche hat jedenfalls ausgschaut, naja, danach wars wieder sauber. Nach dem Essen haben wir noch die lustigsten Momente und den Tagesbericht aufgeschrieben. STOPP! Wir haben auch Zweitnamen geraten! Gute Nacht.

TAG 6 / 05. April

Nach einem sehr frühen Frühstück und einem schnellen Bad von Emilia, Hannah und Erik im Fluss, ging es mit dem Bus Richtung Dreznika. Als Brotzeit nahmen wir selbstgebackene Brötchen und Kuchen mit. In Dreznika angekommen starteten wir bis zum Sektor JDAV und schlugen dort unsere erste Base auf. Voll motiviert (okay, a bisserl musstens uns schon antreiben nach dem frühen Start) gings an die Wand. Da das Gebiet etwas verwildert war, hat Anni erstmal ein bisserl ausgegrast und Steine ausgeräumt und anschließend haben Anni und Tobi mit viel Mühe eine lange, sauschene Tour für uns wieder begehbar gemacht. Gräser, Gestrüpp, lose Felsblöcke und vieles andere, Team „Wir machen den Weg frei“ hats geschafft, den Weg sauber zu machen, sodass wir immerhin zum Einstieg gelangten. Doch davor gab es Osterpicknick, denn die beiden hatten schwer geschuftet, während wir fröhlich die kürzeren Touren unsicher machten. Abwechselnd ging es dann angeleitet von Anni über ein Fixseil hinauf zur 40m Route. Scho ziemlich cool und Degengriff können wir jetzt auch. Am Einstieg verglühte  dann Tobi während er uns sicherte. Die anderen erkundeten weiter unterhalb die niedrigeren Sektoren. Bei einer der Touren wurde lustigerweise festgestellt, dass ein Loch in einem Spalt von einem Spalt existiert. Nachdem alle mit der langen Tour durch waren, sollten wir eine Ostereierkugelbahn bauen, die zwei Starts, 3 Kurven, einen Tunnel und eine Sprungschanze mit einer Mindestflugstrecke von zwanzig Zentimeter haben musste. 

 

Anni und Selina bauten derweil noch die lange Tour ab und gerade als wir mit dem Bau der Eierbahn fertig waren, mussten sie feststellen, dass sich das Seil s blöd verfangen hatte, dass weder vor, noch zurück möglich war. Also haben Anni und Tobi noch eine nervenraubende Seilrettungsaktion gestartet – durch Botanik mit Seilklemmen und Prusik und ganz viel Armkraft hats zum Glück dann hingehauen. 

Als die beiden zurück waren, wurde die Eierbahn noch auf ihre Funktionalität getestet. Die Eier sollten unten heil ankommen – die Tests liefen nicht alle so vielversprechend, aber das Grande Finale zeigte, dass wir ein tolles Team waren.

Um kurz nach sieben sind wir dann am Parkplatz angekommen und weil es so spät war, haben wir uns entschieden, in eine Pizzeria zu fahren. Die Aussicht von dort, mit Sicht auf das beleuchtete Kreuz des Hum und die Lichter von Mostar hat uns an Rio de Janeiro in mini erinnert. Aufgrund des rasiermesserscharfen Felsen waren unsere Finger am Abend ziemlich geschafft und wir sind todmüde ins Bett gefallen.

TAG 7 / 06. April

Heute stand Kultur auf dem Programm: Nachdem wir ziemlich früh in Fahrtrichtung Sarajevo gestartet sind, sind wir nach zwei Stunden Fahrt dort angekommen. Nachdem wir unsere Sachen einbruchsicher im Bus verstaut haben, sind Anni, Tobi und Selina in die Stadtführung gestartet und wir durften die Stadt erstmal auf eigene Faust erkunden.

Emma übernahm mit großer Verantwortung die Stadtkarte. Irgendwann fragten wir uns, wo wir eigentlich gelandet waren und diskutierten, wer falsch abgebogen ist. Wir kamen zum Schluss, dass Emma in eine Rechtskurve gestartet ist und wir ihr einfach blind hinterhergelaufen sind. Auf der Suche nach einem Klo landeten wir in einem ziemlich heruntergekommenen Cafe. Wir mussten feststellen, dass der Wasserhahn nicht mehr ganz so fest am Balken war, die Klobrille für die Kloschüssel zu klein war und sich die Tür nicht ansatzweise schließen ließ. Nachdem der Besitzer nach „Money“ fragte, meinte Erik nur „No English.“ Nach stundenlanger Suche (vielleicht warens auch nur 20min), wurden wir von der Verkäuferin in den Exchange Laden geschickt, um dort Geld zu wechseln. Da wir aber ziemlich abgezogen worden wären, sind wir Schlaufüchse einfach in denen kleinen Süßigkeitsladen, um zu fragen, ob der Mann uns Geld wechseln könnte. Netterweise hat er uns sogar zehn BAM zu viel gegeben und so haben wir unser Eis bekommen und alle glücklich zurück zum Ausgangspunkt.

Dort teilten wir uns fürs Mittagessen auf. Emma, Erik und Selina gingen original Cevapi essen, während der Rest der Truppe Burek bzw. Sirnica, gefüllte Blätterteigaschen mit Käse und Spinat probierte.

Anschließend gab es eine kurzweilige private Stadtführung von Anni. Wusstet ihr z.B. dass es in Bosnien ein Wort für „Kaffeetrinken ohne alle Sorgen“ (2-4h für eine  Tasse) gibt. „Merak nennt man das und ist in vielen Regionen sehr wichtig. Außerdem gibt es vier Worte für Restaurants, woran man dann auch erkennt, was es gibt. Wenn es verschiedene Gerichte gibt, ists meistens nicht gut oder nicht original. Wir erfuhren, dass es in Sarajevo eine Synagige, eine Moschee, eine orthodoxe und eine römisch-katholische Kirche innerhab eines 200m Kreises gibt. Das gibt es so nirgends auf der ganzen Welt und zeigt deutlich, dass es in Sarajevo wirklich einen „Clash of Cultures“ gibt.Durch Handwerksgassen (eine pro Zunft, welche auch heute noch so existieren), die Karawanserei und vorbei an den Memorialsteinen mit den aufgematen Blutstropfen aus dem Bosnienkrieg ging es noch zur Sarajevski Brauerei, die während der Belagerung Sarajevos eine der wenigen Wasserquellen hatte und diese den Bürgern kostenlos zur Verfügung stellte. 

Am Nachmittag gings dann mit einem wilden Ritt die steilen und schmalen Gassen hinauf zur Olympia Bobbahn von 1984. Wir stellten fest, dass unsere Reise von allen vier Jahreszeiten geprägt war, denn oben am Berg hatten wir fast 50cm Schnee. In kurzen Tshirts gab es eine Schneeballschlacht bevor die alte Bobbahn auf ihre Funktion getestet wurde, indem wir Rennen nach oben starteten. Schon beeindruckend, solche Stätten aus nächster Nähe zu sehen – heute aber viel bunter als damls dank zahlreicher echt inspirierender Graffitis an den alten Betonwänden. Weiter ging es erst durch Matsch, dann durch tiefen Schnee stapfend in Richtung Klettersteig Bijele Stijene (B/C). Nach einigen steilen Passagen durften wir die Schlucht über eine Hängebrücke überqueren. Viel zu schnell waren wir am Gipfel am Trebevic angekommen und haben die Aussicht auf Sarajevo genossen. Durch viele kleine Bäche, Schnee und Matsch gings dann zurück in Richtung Bus, wo wir erstaunt, mit durchnässten Füßen feststellten, dass es nur 3°C hatte. Zum krönenden Abschluss haben wir dann in einer Kehre den Sonnenuntergang bestaunt, den Vereinsbus als Model verwendet und sind dann in Sarajevon noch abenteuerlich zum Essen gegangen, da die Karte nur auf bosnisch erhältlich war und der Besitzer auch kein Englisch verstand. Mit Händen und Füßen hat dann aber jeder bekommen was er wollte – naja fast -  Anni und Tobi bekamen etwas mehr, denn statt Salat Thunfisch gabs eben eine zusätzliche Pizza Thunfisch. Dank Eriks unersättlichem Magen war aber auch das Problem schnell beseitigt und wir konnten die Heimreise antreten.

TAG 8 / 07. April

Nach dem Frühstück ging es sofort los nach Dreznika. Auf dem Weg dorthin bewunderten wir den sehr sehr schönen Fluss und die Landschaft. Am Fels angekommen bemerkten wir, dass in manchen Touren die Bohrhaken weggeflext waren oder schon sehr rostig und abgenutzt aussahen. Nach kurzem Check ums Eck kamen wir zu dem Schluss, dass die beiden ausgesuchten Sektoren keine Option waren, es sei denn, wir gehen Free Solo – die TOPS und Ringe waren nämlich neuwertig. Also sind wir doch in einen anderen Sektor gewechselt und haben dort ziemlich coole Routen gefunden. Wir haben uns alle stark gesteigert in den Schwierigkeitsgraden bis ein Teil von uns sogar eine 6a+ im Vorstieg durchgestiegen sind. Zu Mittag gabs die Brotzeit, die wir in der Früh selbst gezaubert hatten. Nach einer Runde in der Sonne schlafen und Blumenkränze binden gings nochmal an die Wand, die letzten Touren rocken. Abschließend wollten wir eigentlich noch Baden, aber leider war der Weg zum Fluss mittlerweile verbaut, weshalb wir beschlossen, doch zuhause in die Buna zu springen. Auf der Heimfahrt mussten wir noch eins unserer Seile bei einem bosnischen Kletterer abholen, weil wir das zwei Tage vorher am Fels „vergessen“ hatten nach der ganzen Seilrettungsaktion. Zum Glück funktioniert der Buschfunk in der Kletterwelt gut und die bosnischen Menschen sind so superlieb, dass sich der ehrlicher Finder direkt bei Adnan gemeldet hatte.

Außerdem stand der letzte Großeinkauf unseres Chaostrupps an, denn wir brauchten noch Mitbringsel und fast wichtiger: Zum Abschluss wollten wir noch richtig fetzig grillen! 

Nach etwas längerer Vorbereitungszeit, gleichzeitig lernten Erik und Selina von Adnan Fliegenfischen, lag dann auch endlich Essen auf dem Grill. Bis alles fertig war, wurden witze ausgetauscht, Kinderlieder gesungen und die Bauchmuskeln gefordert. Sauguad wars, und das Chaos war zwar groß, aber gemeinsam haben wir es geschafft, Küche und Außenbereich sauber zu kriegen. Alles hat mindestens doppelt so lang gedauert, weil es so lustig war. Erik hat einen Witz nach dem anderen gerissen und der Rest hatte Bauchweh vor Lachen. Danach gingen wir noch eine Runde spazieren, fingen Frösche und suchten andere Jugendliche, um mit ihnen Freundschaft zu schließen, doch wir fanden nur zerfallene Spielplätze. Auf dem Rückweg haben wir angefangen Autos zu winken. Fast alle haben uns zurück gehupt oder gewinkt. Einer hat sich so gefreut, als er die Hupe von seinem fast schon auseinandergefallenen Auto zum Laufen brachte, herzigst! Gegen Mitternacht haben wir uns noch in den Garten gesetzt und geratscht, doch a gute Stunde später wurde es uns doch zu kalt, also haben wir im Zimmer weitergeratscht. Niemand wollte schlafen, denn das konnten wir ja schließlich den ganzen nächsten Tag im Bus. Als wir uns dann doch noch entschieden etwas zu schlafen, waren dann aber alle zu faul, nochmal aufzustehen, also blieb das Licht bis morgens an. 

TAG 9 / 08. April

Nach drei Stunden Schlaf sind wir verhältnismäßig wach aufgestanden. Unsere Koffer waren dank der Nachtschicht vereits gepackt, weshalb wir direkt Frühstück herrichteten. Um unsere Füße vor der langen Fahrt noch etwas zu vertreten sind wir noch zum Tekiji Kloster an der Buna Quelle gewandert. Auch ein Abstecher zum Eko Centar musste noch sein, damit wir uns von DaVinci und der Eselbande verabschieden konnten (psst, eigentlich haben wir DaVinci einfach in einen Koffer gepackt und mitgenommen…der wohnt jetzt in der Kletterhalle und übt fleißig Vorstieg). Auch wenn wir nicht die ganze Eselbande einpacken konnten, wir haben dafür zwei Feigenbäumchen und getrocknete Pomegranates in unseren Jackentaschen mitgehen lassen. Dann hieß es auch schon Abschied nehmen – winkend ging es los auf die lange Autofahrt. In kuriosen Schlafpositionen versuchten wir etwas Schlaf der letzten Nacht nachzuholen. Hat so semi funktioniert, daher fingen wir an zu spielen. Im Vergleich zum Tiere aufzählen hat sich „Wer bin ich“ dank Begriffen wir Druckertinte oder Staubsauger etwas in die Länge gezogen.

Ein paar Stunden später haben wir unseren liebevoll angerichteten Brotzeitstop in Kärnten bei Eimilias Großeltern angekommen. Es war so sauguad, dass der Tisch ratzeputz leergegessen wurde. Vor allem Erik musste vorbauen und hat ein ganzes Brot geschafft. Nach dem Essen haben wir uns nochmal die lustigsten Momente ins Gedächtnis gerufen und wir haben uns schlussendlich darüber unterhalten, welche Froschart am ehesten unser Prinz oder Prinzessin sein könnte (die Gelbbauchunke stand hoch im Kurs). 

Dann stiegen wir wieder ins Auto: Dunkel wars, das Fernlicht schen helle, als der Vereinsbus blitzeschnelle, langsam fuhr durch die unvollendete Baustelle.

Gute Nacht, wir sind so nett, jetzt geht’s ins Bett. 

RECAP
Krass, jetzt ist unsere Reise auch schon wieder vorbei. Das waren unsere persönlichen Highlights:

-          Die lustige und ruhige Stadt Mostar

-          Der erste Klettersteig zur Burg mit deren windigen Eroberung.

-          Der mega coole Klettersteig über Sarajevo mit der Hängebrücke.

-          Die Überraschungsgeburtstagsparty für Emilia.

-          Die Eselbande mit dem kleinen DaVinci

-          Die gemeinsame Zeit und die Lachkrämpfe mit der Gruppe: Innerhalb einer sehr kurzen Zeit hat die Innenausstattungs GmbH ein angenehmes Arbeitsklima geschaffen und aus Kollegen sind supergute Freunde geworden.

-          Klettergebiete Dreznika und Blagaj mit rasiermesserscharfen Griffen und plattigen Herausforderungen.

-          Der Nachtspaziergang mit den freundlich zurückhupenden Autofahrern

-          Die Gastfreundschaft und Offenheit und Hilfsbereitschaft der Einheimischen.

-          Die 40m Tour und die 6a+

-          Das Baden in der erfrischenden und klaren Buna morgens und abends.

-          Die Frösche, Unken & Kröten.

-          Die Eierrutsche und das Naturbuffet.

-          Die Butansichen Felsen.

Eigentlich könnten wir jetzt ewig weiter aufzählen, aber dann wären wir in drei Tagen noch beschäftigt. Also einfach alles. Die ganze Zeit war brutal schee!