Bergradltour
Dolomiten der DAV Sektion Teisendorf
(5.
– 8.8.2005)
1.
Tag: Freitag,05.08.2005
Gerade
mal ein paar hundert Meter einrollen und schon sind wir mitten drin.
Mitten drin in der diesjährigen Bergradltour und auch mitten drin was
den Charakter der Tour ausmacht. Gleich dieser erste Anstieg hat’s
gewaltig in sich - steilste Rampen schrauben sich gen Himmel.
Um
kurz nach vier Uhr sind wir von Teisendorf mit zwei Autos losgestartet
und erreichen über Lofer, Zell am See, Felbertauern, Lienz und
Innichen den Startpunkt unserer Rundtour auf 1.490 m im abgelegenen
Altpragser Tal, unweit des Gasthofes Brückele (Ponitcello). Schon vom
Parkplatz aus sieht man in einer Bergflanke die ersten Kilometer der
heutigen Etappe hochziehen und man kann schon erahnen, dass dies keine
leichte Aufgabe wird. Nach einigen Minuten sind alle Räder
fahrbereit, die Rucksäcke mit dem Allernötigstem gepackt und die
Trinkflaschen aufgefüllt. Mit Franz Braxenthaler, Sepp Edfelder,
Fritzenwenger Hubert, Simon Krammer, Heini Mühlbacher, Christoph
Reitschuh, Albert Staller, Simon Wadispointner, Heinrich Waldhutter
und mir sind wir heuer so viele wie noch nie und so machen wir uns zu
Zehnt auf den Weg.
Keine
Dreiviertelstunde sind wir bis zur Rossalm [2.212m] unterwegs, dem
Ende der Schotterstraße und dem Beginn des ersten Trials. Bei der
Auffahrt war, spätestens ab der ersten Kehre, niemanden mehr kalt und
immer wieder musste der ein oder andere aus dem Sattel, die Steigungen
und der grobschottrige Weg fordern ihren Tribut. Zum anderen heißt es
natürlich Kräfte einteilen, den dies ist nicht der letzte Anstieg
des Tages und wer meine Touren kennt weis, dass so mancher Tag relativ
lang werden kann.
Nach
der Rossalm sind nur noch wenige Höhenmeter zu erklimmen bevor eine
kurze und ruppige Abfahrt beginnt. Die ersten Meter bergab und schon
steigt der erste über dem Lenker ab. Zum Glück passiert bis auf
kleiner Schürfwunden nichts ernsthaftes, aber ironischer Weise trifft
es genau den, der als einziger Fahrer der Gruppe keinen Helm trägt.
Man lernt nie aus, gell A.S.! Nach einer Querung die noch zum Teil
fahrbar ist, heißt es ab dem Weg der vom Pragser Wildsee heraufführt,
schieben bis zur Seekofelscharte [2.350m].
Vorbei
an der Seekofelhütte haben wir wieder eine fahrbare Schotterpiste
unter den Stollen und so stechen wir vorbei an der Senneshütte hinab
zur Pederü [1.540m]. Mittlerweilen sind wir natürlich schon im
Herzen des Naturparks Fanes-Sennes-Prags, ein Mekka für jeden
Bergradler. Beste Schotterpisten in faszinierender Dolomiten-Szenerie.
Den Aufstieg hinauf zum Limojoch [2.170m] nehmen wir im Fluge und
fahren gleich weiter zur Groß-Fanes-Alm [2.100m] wo wir den ersten
mittäglichen Einkehrschwung nehmen.
Gestärkt
mit Gröstl und Pasta verlassen wir die Fahrstraße und steuern von
hier aus zum Tadega-Joch [2.157m]. Von hier geht’s zuerst noch
fahrbar rasant bergab, bevor das Tal steil abbricht. Die meisten
schieben, einige trailen den stark verblockten Weg fast komplett
bergab. Nach diesem Abbruch wir der Weg wieder besser und so kommen
wir zügig zur Cap. Alpina [1.726m]. Die Hütte kommt wie gerufen, den
bei meinem alten Drahtesel löst sich das Tretlager auf. Während ich,
mit einem Werkzeug von Hüttenwirt, das Bike wieder repariere nutzen
die Anderen den Stopp für eine Kaffeepause.
Die
weiter Abfahrt nach St. Kassian ist der Abschnitt der Zwischenfälle:
Zuerst löst sich noch mein Flaschenhalter in Wohlgefällen auf,
Christoph trifft es härter, bei ihm bricht vom Hinterreifen die
Karkasse des Mantels. Kurz vor Stern im Alta Badia [1.320m] bin
nochmals ich an der Reihe, bei mir Platz die hintere Felge. Da hilft
nur noch eins, ein Bikeshop. Wie gerufen stehen wir einige hundert
Meter später in einem Laden. Als ich zum Laden komme hat Christoph
bereits einen neuen Mantel moniert.
Während
ich auf den Umbau meiner Felge warte, fahren die anderen bereits in
Richtung Juel-Joch [1.725m]. Nach einer nochmaligen Abfahrt hinab nach
Campill [1.380 m] kann ich auch wieder zur Gruppe aufschließen und so
beginnen wir gemeinsam den finalen Anstieg der ersten Etappe. Lange
sind wir nicht zusammen, jeder fährt sein Tempo auf diesem
nochmaligen knapp 1.000 Hm-Anstieg. Als die ersten bereits über das
Kreuzkofeljoch [2.340m] fahren schinden sich einige Andere, noch dazu
geplagt von Krämpfen, im Mittelteil der Auffahrt. So sitzen die
ersten schon eine Stunde gemütlich beim Bier als die letzten, aber
dann doch heil an der Schlüterhütte [2.300 m] ankommen. Trotz der
Strapazen wird es doch ein recht geselliger Abend. Ach ja, noch das
Wetter: Traumhaft war’s, stahlblauer Himmel bei noch angenehmen
Temperaturen.
{Tagesleistung:
ca. 3.300 Hm, 65 km, 6:30 h}
2.
Tag: Samstag, 06.08.2005
Der
Himmel zeigt sich in der Früh noch leicht wolkenverhangen, aber zum
Biken ideal. Gut gestärkt vom Frühstück geht’s heute zuerst
einmal bergab, vorbei an der Gampenalm zum Beginn des
Adolf-Munkel-Weges. Der A.-M.-Weg stellt die Verbindung zwischen Schlüterhütte
und Brogleshütte dar, und verläuft vor der imposanten Kulisse der
Geislerspitzen im hinteren Villnößtal, fast ohne Höhenverlust. Ein
idealer Bikepfad, gerade auch weil uns kein einziger Wanderer
unterkommt. Schotter, Sand, fester Waldboden, Wurzel, Steine, Blöcke,
Ab-/Auffahrten, schnelle und langsame Passagen, Schieben, Tragen,
Fahren wechseln immer wieder einander ab. Angekommen auf dem
Brogles-Sattel [2.119 m] kurz hinter der gleichnamigen Hütte haben
wir dann doch bereits ca. 400 Hm! fast „eben“ bewältigt.
Vom
Sattel folgt ein Downhill über Wege, die jedes Biker-Herz höher
schlagen lassen, hinunter in Richtung St. Ulrich [1.230m] im Grödner
Tal. Erst kurz vor St. Ulrich ist der Trial zu Ende und so nehmen wir
auf Asphalt die letzen Kehren hinab ins Tal. In einem Supermercato in
St. Ulrich füllen wir die Rücksäcke, und machen am Kirchplatz
gleich die Mittagspause. Zum Sellajoch [2.245m] radeln wir, aufgrund
der doch schon fortgeschrittenen Stunde, nicht wie geplant am Fuße
des Langkofels, sondern schrauben uns über die Passtrasse hoch. Auch
hier bilden sich immer wieder kleinere Grüppchen, und so kommen wir
weit auseinandergezogen am Pass an. Der gestrige Tag wirkt noch nach
und einige haben auch mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. So
entschließen wir uns, nach der rasanten Abfahrt zur
Penser-Joch-Strasse [1.850m], die Gruppe aufzuteilen. Vier von uns
rollen gemütlich über das Penser-Joch hinab nach Arabba und nehmen
direkt den Schlussanstieg zur Pralongia Hütte, der zweiten Übernachtungsstation.
Wir
verbliebenen sechs Biker wollen es noch mal wissen, zweigen von der
Asphaltstrasse ab und schrauben uns zur Cap. Bellavista und zum Ref. Sass
Becce [2.380 m] hoch. Hier
beginnt eines der ganz besonderen Highlights für Bergradler: der Bündelweg.
Zuerst noch auf einem ca. zwei Meter breiten Karrenweg bis zur Bindelhütte
[2.436 m], dann weiter auf einem Singletrial per Excellanze. Auf fast
3 km zieht sich dieser Weg, bis auf wenige Ausnahmen, fast voll
fahrbar auf nahezu gleicher Höhenlage am Berg entlang. Bei dem in
Teilbereichen leicht ausgesetzte Weg, muss man schon hin und wieder
stehen bleiben, um die fantastische Aussicht zu genießen: tief unter
uns liegt der Fedaia-See und gegenüber trotz das Marmolada-Massiv mit
den doch recht kümmerlichen Resten des Gletschers.
Die
letzten Meter bis zur Porta Vescovo [2.478 m] müssen nochmals
geschoben werden und jeder freut sich schon auf eine rasanten Downhill
in Richtung Arabba, zumal die Abfahrt auf der Kompass-Karte als Radweg
eingezeichnet ist. Nach einigen hundert Höhenmetern bergab endet
jedoch der fahrbare Weg, und so suchen wir über eine Almwiese den
eingezeichneten Wanderweg. Dieser entpupt sich dann als extrem steiler
Hohlweg, bei dem im oberen Teil an Fahren nicht zu denken ist. Gerade
rechtzeitig bevor die Motivation völlig am Boden ist, beginnt an
einer weitern Almwiese ein ideal fahrbarer Pfad der mit jedem Höhenmeter
bergab besser wird. So kommen wir dann doch, jetzt auch schon
sichtlich gezeichnet zur Einkehrstation „Al Forte“ [1.350 m] an
der Dolomiten-Strasse. Versorgt mit Latte Macchiato und Strudel nehmen
auch wir den Schlussanstieg über Cherz und dem Incisa-Joch [1.938 m]
zur Pralongia [2.130 m], wo die anderen bereits ausgeruht auf uns
warten.
Die
Pralongia-Hütte entpumpt sich als geniale Unterkunft. Zum einen
werden wir mit der Halbpension mehr als verwöhnt: Salat, Suppe,
Lassagne, Schnitzel mit Kartoffel und Gemüse, Dolce kombiniert mit
viel Bier und Wein. Zum Anderen ist die Lage der Hütte traumhaft: Im
360°-Blick kann man alle bekannten Gestalten der Dolomiten ausmachen.
Ein toller Radeltag geht zu Ende, heute mal ganz ohne Pannen.
{Tagesleistung:
ca. 3.050 Hm, 75 km, 6:50 h}

Aufbruch an der Schlüterhütte |

Adolf-Munkel-Weg |

Broglesalm |

vor den Geislerspitzen |

|

Bindelweg mit Marmolada |
3.
Tag: Sonntag, 07.08.2005am Bindelweg
Das
umfangreiche Frühstück schließt nahtlos an die gute Versorgung des
Abendessens an und so starten wir gut gestärkt die Abfahrt in
Richtung Valparola-Strasse [1.800 m]. Zuerst auf schottrigen
Nebenstrassen, vorbei an der Malga Valparola kommen wir das letzte Stück
über die Asphaltstrasse zum Passo Valparola [2.192 m] und weiter zum
Passo Falzarego [2.105 m].
Am
Pass halten wir uns nicht lange auf und cruisen vom Falzarego in
Richtung Tal bis zum Parkplatz Cason de Rozes [1.878m]. Dem Roadbook
nach sollten wir hier abzweigen und über das Travenazes Tal wieder in
die Fanes vordringen, aber das Fahrrad-Verbotsschild spricht eine
deutliche Sprache und so entschließen wir uns kurzerhand und auch im
Hinblick auf die dunkler werdenden Wolken, gleich hinunter nach
Cortina d’Ampezzo zu fahren. In Cortina [1.225m] nach ein kurzen
Pause starten wir, unter im dichteren Wolken, zum Passo Tre Croci
[1.825m]. Dort angekommen fängt es an zu regnen. Eigentlich wollten
wir hier im einzigen Restaurante am Pass Mittag machen, doch scheinen
wir hier, nass wie wir sind, nicht willkommen zu sein, und auf der
Terrasse ist’s sowieso zu kalt zum Sitzen.
Weiter
geht’s, jetzt bei strömenden Regen und tiefsten Temperaturen zum
Misurina-See [1.750m]. Nass und durch gefroren kehren wir in einer
Pizzeria ein und warten auf besseres Wetter. Durchs Fenster sind die
Drei-Zinnen zu sehen und aufgrund der guten Bewirtung steigt auch
gleich wieder die Lust am Biken. Wie gerufen hellt sich der Himmel
nach dem Essen wieder auf und wir machen uns auf die Weiterfahrt.
Geplant
war eigentlich für heute die Übernachtungsstation Ref. Bossi am
Monte Piana anzusteuern, doch auch hier ist die Fahrstraße zur Hütte
für Fahrräder gesperrt, per Autotaxi kann man aber hoch fahren!
Wir
disponieren um und reservieren auf der Drei-Zinnen-Hütte ein Lager.
Über die Auronzo-Mautstrasse kommen wir schnell zur Aurozo-Hütte
[2.320 m]. Von hier beginnt, eine wahrscheinlich auch zu den besten
Bikepisten zählende Strecke, über den Paternsattel [2.454 m] zur
Drei-Zinnen-Hütte [2.405m]. Bei tiefsten Temperaturen und teils
starken Windböen sind wir froh endlich in der Hütte zu sitzen.
Wieder königlich versorgt durch Vor-, Haupt- und Nachspeise, zechen
wir heute bis zur Hüttenruhe und bestellen einen Litro Vino Rosso
nach dem anderen. Draußen hat’s mittlerweilen zu regnen aufgehört
und zu schneien begonnen. Aber dennoch genießen wir einen herrlichen
Sonnenuntergang im nicht zu übertreffenden Szenario der schroffen
Berggipfel ringsum, allen voran den Nordabstürzen der Drei-Zinnen.
Der Abend wir mit einem Hüttenwirt – Schnaps beendet.
{Tagesleistung:
ca. 2.250 Hm, 70 km, 5:45 h}

Pralongia (2. Übernachtung) |

am Valparolapass |

vor der Abfahrt nach Cortina |

vor den Drei Zinnen |

Abendstimmung vor der letzen Nacht |

die Dreizinnenhütte |
4.
Tag: Montag, 08.08.2005
Früh
sind wir auf den Beinen. Die Sonne lacht durch die Fenster im
Veranda-Lager. Die Berge glühen, aber nur visuell, denn draußen
ist’s Sau kalt.; minus zwei Grad. Nach dem Frühstück zieht jeder
alles an was er im Rücksack hat und so zittern wir zurück über die
gestrige Auffahrt und wieder hinunter zum Misurina See. Zum
Bergabfahren hat eigentlich keiner mehr Lust, auch hier herunten ist
es nur marginal wärmer, aber wir müssen noch bis Schluderbach [1.430
m]. Zähne zusammenbeißen und ab geht’s.
Gleich
in Schluderbach nehmen wir die alte Militärstrasse die in gemächlicher
Steigung zur Plätzwiese hinaufführt. Teils schottrig, teils
asphaltiert kommen wir rasch höher und der Temperaturhaushalt pendelt
sich wieder ein. Das Feld reißt natürlich wieder auseinander und so
kommen Heini und ich die als letzte an den Aufstieg gehen als erster
am Hotel Plätzwiese an, aber nur deshalb, weil die anderen vom Weg ab
zur nahen Dürnsteinhütte gefahren sind und hier auf uns vergeblich
warten.
Auf
der Plätzwiese ist’s uns nach dem Halt auch gleich wieder zu kalt,
zum Einkehren ist’s zu früh und so rauschen wir über die Fahrstraße
die letzte Abfahrt nach Brückele hinaus. Hier angekommen müssen wir
feststellen, dass von den anderen noch keine hier ist. Nach rund ein
einhalb Stunden warten, wir bei den Autos, der Rest auf der Plätzwiese,
sind wir aber dann doch alle wieder zusammen und so schließt sich der
Giro d’Dolomiti über rund 250 km. Hängen bleiben die Eindrücke
der faszinierenden Landschaften der Dolomiten und mit Sicherheit eine
der besten Bike-Reviere der Alpen. Schön war’s!
{Tagesleistung:
ca. 750 Hm, 35 km, 1:50 h}

Sonnenaufgang über dem Fischleintal |

Plätzwiese |

am Ziel (war auch Startplatz) |
Bericht:
Martin Staller 