Faschingsskitouren
05.-08.02.2005 - Villgratental
Die
Text-Kurzausgabe
(Druckversion für den Schaukasten)
finden Sie >>hier>>
Die
schon traditionelle Faschingsskitour war diesmal in Osttirol angesagt.
Bei einem "dahinhungern" nach Schnee kam die weiße Pracht
Anfang Februar gleich meterweise bei uns an. Es fiel so viel Schnee,
dass der Felbertauern gesperrt wurde. Bei Nori, unserem Tourenleiter,
gingen schon die ersten besorgten Anrufe ein, ob man denn überhaupt
packen solle. Doch wie bestellt entschärfte sich die Situation
bereits am Nachmittag des Unsinnigen Donnerstag, so dass wir voller
Zuversicht, bei besten Wetterprognosen, Richtung Südosten starten
konnten.
Wir,
das sind 24 "Skitourenbegeisterte", Georg unser Jüngster
eingeschlossen. Diesmal war sogar einer der Spezies
"Schneeschuhgeher" unter uns. Um 7:00 Uhr ging es vom
Treffpunkt Teisendorf los, in etwas schleppendem Tempo Richtung Süden.
Während sich bei uns im Norden der Alpen die Schneemassen auftürmten,
mussten wir, nachdem wir den Felbertauern hinter uns gelassen hatten
zusehen, wie der Schnee immer weniger wurde. Zuletzt waren sogar ganze
südseitige Hänge schneefrei. Umso mehr beeindruckte die Ursprünglichkeit
des Villgratentals mit den wettergegerbten Bauernhäusern in zum Teil
sehr exponierter Lage.
Im
Gasthaus Raiffeisen in Innervillgraten angekommen wurden erst einmal
die Zimmer bezogen und es gab zum Aufwärmen eine Suppe. Ist das schön,
wenn eine Tour so entspannt losgeht! In der Zwischenzeit wurde die
etwas triste Wetterstimmung von einem strahlend blauen Winterhimmel
abgelöst. Der Bergblick vom Gasthaus aus war einladend. In freudiger
Stimmung fuhren wir nach Kalkstein, zum Startpunkt für unsere heutige
Eingehtour. Der Parkplatz war voll und beim Aufstieg kamen uns bereits
einige Skitourengeher entgegen. Schnee war genug, und so ging es erst
gemeinsam und später in zwei Gruppen (die "Sonnenhungrigen"
und die "Schattengeher") zum Gaishörndl. Oben am Gipfel
genossen wir einen tollen Rundblick Richtung Dolomiten und
Alpenhauptkamm. Zufrieden konnten wir durchatmen und
"ankommen". Die Abfahrt ging wie geschmiert, ruck zuck waren
wir wieder zurück an unserem Ausgangspunkt. Vor dem Einkehrschwung
machten wir noch einen Rundgang durch den Friedhof: Ein Wilderer wurde
vor 22 Jahren von zwei Jägern hinterrücks erschossen; der achte
Schuss war tödlich. So steht es auf einem Grabstein eingemeißelt. So
manch einer wird diese Geschichte kennen, die Kalkstein bekannt
gemacht hat und selbst heute noch für Zwist in der Gemeinde sorgt.
Das moderne Gasthaus in Kalkstein, eigentlich ein Glashaus, hebt sich
stark von dem Baustil der Region ab. Im Innern war die Atmosphäre
eher etwas ungewöhnlich aber einladend und angenehm.
Wieder
zurück in Innervillgraten konnte jeder nach Lust und Laune
ausspannen. Die kleine hauseigene Sauna war dabei besonders gefragt.
Nach dem Abendessen ließen einige ihre überschüssigen Energien im
Dorffasching, eine gar als Nonne verkleidet. Am nächsten Morgen
traten die zwei Georgs und Stilla die Heimreise an, weil der
"kleine" Georg eine starke Erkältung hatte. Schade!
Nach
einem ausgiebigen und leckeren Frühstück wurden die Skier gleich vor
dem Haus angeschnallt. Geplantes Ziel war an diesem Tag die Hochgrabe.
Mit seinen 2.951 m versprach es ein toller Aussichtsberg zu werden.
Bei bestem Wetter ging es aufwärts. Auf dem Weg konnten wir auf
mehrere malerisch gelegene Almen blicken. Unsere Gruppe zog sich etwas
auseinander, traf sich aber wieder bei einem kleinen Holzverschlag zu
einer ersten Rast. Hier, an diesem sonnigen Ort, konnte man es
aushalten. Wie in kleinen (gedanklichen) Etappen ging es weiter zu den
Sieben Seen. Im Winter war von den Seen allerdings nicht viel zu
sehen. Der Gipfel, mit einem steilen, südseitig ausgerichteten
Gipfelhang, war nun vor uns. Ein Schneebrettabgang im Gipfelbereich
war schon von weitem zu erkennen. Zwei Tourenfahrer kamen uns entgegen
und berichteten, dass das Schneebrett erst kürzlich abging. Als wir
vor den Ausläufern des Schneebretts standen, dachte sich jeder nur
"Wahnsinn"! Meterhoch türmten sich eisschollenähnliche
Gebilde auf. Fast der komplette Schneehang, in dem sich die
Aufstiegsspur befand, war abgerutscht und bildete jetzt einen einzigen
"Trümmerhaufen". Bei diesem Anblick dachte sich jeder:
"Was wäre gewesen, wenn wir früher aufgestiegen wären? - Haben
wir Glück gehabt!" Hier zeigte sich wieder einmal, dass es immer
ein Restrisiko gibt, wenn man in den Bergen unterwegs ist. Nachdem
einzelne unserer Gruppe bereits früher abgefahren waren, beendete ein
weiterer Teil hier die Tour. Eine Handvoll ging weiter zum Gipfel, der
die letzten paar Meter nur zu Fuß zu erreichen war. Oben zeigte sich
ein Panorama der Extraklasse. Es war windstill, so dass man es einige
Zeit aushalten konnte. Die Abfahrt ins Tal hatte seinen ganz
besonderen Reiz. Wohl dem, dessen Skier an Steine gewöhnt waren!
Wieder
im Tal konnten wir zufrieden auf einen ausgefüllten Tourentag zurückblicken.
In unserem "Wohlfühl-Haus" wurde am Nachmittag noch zum
Geburtstag von Franz angestoßen, der am Abend mit der Resi wieder die
Heimreise antrat. (Und da waren es nur noch 19!) Im zweiten Stock des
Hauses war der Gang so breit wie zwei Zimmer; er hatte die Dimension
von mehreren Wohnzimmern und war mit einer bequemen Couch, Sesseln,
einem Tisch und ein paar Pflanzen ausgestattet: ein toller Platz zum
Anstoßen. Zum Abendessen ging es wieder nach Kalkstein, in das
"etwas außergewöhnliche Gasthaus". Der Koch hatte extra
eine Gams gefangen um uns zu verköstigen.
Am
dritten Tag boten sich zwei Touren an. Der Großteil der Gruppe wählte
die Kreuzspitze (2.624 m) als Ziel, eine sehr beliebte Skitour mit
Kalkstein als Ausgangspunkt. Am Morgen war die Temperatur frostig und
so freute sich jeder, dass die Sonne bald zu spüren war. Einige der
Gruppe nahmen noch einen Extrahang mit, bevor es auf der gut
eingefahrenen Piste wieder Richtung Tal ging. Die andere Gruppe hatte
die Hochalmspitze (2.797 m) als Ziel gewählt. Durch das Winkeltal
ging es erst einmal zur Volkzeiner Hütte, ein klassischer "Talhatscher".
Relativ steil ging es weiter zum Kleinitzer Törl. Schon beim Aufstieg
wurde klar, dass bei dieser Tour auch mit Bruchharsch zu rechnen war.
Die Stimmung, die Stille und Einsamkeit der Tour machten die
Schneebeschaffenheit allerdings zur Nebensache. Von der Scharte ging
es die letzten ca. 150 m zu Fuß weiter. Das Panorama war wieder
einmal überwältigend. Besonders formschön zeigt sich von hier der
Großglockner, erhaben und unberührt. Wieder zurück in unserem
"Dorfgasthaus" wurde die Zeit noch zum Langlaufen genutzt,
zum Einkaufen von lokalen Spezialitäten im Dorfladen oder einfach nur
zum relaxen. Bis zu diesem Abend hatten wir Gelegenheit, aller Räumlichkeiten
des Gasthauses "durchzusitzen", bestens versorgt von Alfons,
dem Kellner des Hauses.
Zwischen
"Schokolad schneidn" und "Liang" beschloss die
Gruppe am nächsten Morgen Richtung Kitzbüheler Alpen aufzubrechen.
Da sich die Rückfahrt so in zwei Etappen aufteilte und in den Kitzbühelern
mit mehr Schnee zu rechnen war, fiel die Entscheidung nicht schwer.
Mit einem guten Gefühl reisten wir von dem sehr gastfreundlichen
Gasthaus ab. Nächster Treffpunkt war die "Alte Wacht" und
dann der Auracher Graben, kurz vor Kitzbühel. Der viele Schnee ließ
die "Skitourenherzerl" gleich höher schlagen. Bald war zu
sehen, dass die Schneemassen von der Woche vorher mit einer ziemlichen
Wucht ein paar Bäume am Weg "umgemäht" hatten. Über die
Hochwildalmhütte stiegen wir zum Weißkopfkogel (1.970 m) auf. Vom
Gipfel war der Großvenediger zu sehen - diesmal von der
"richtigen" Seite und natürlich unsere schönen Chiemgauer
Berge. Nach einer letzten Gipfelrast gings die eingefahrenen Schneehänge
hinunter zu einem Einkehrschwung zurück zur Hütte. Die ausladenden Hänge
boten für jeden auch noch unberührte Fleckerl. Der Anderl mit seinen
Schneeschuhen war nicht zu bremsen und wir waren erstaunt darüber,
wie schnell man sich mit solch eigentümlichen Hilfsmitteln
fortbewegen kann. Am Parkplatz dann, in ausgelassener Stimmung, die
Verabschiedung. Es war schon ein besonderes Erlebnis, mit so vielen
unterschiedlichen Charakteren unterwegs zu sein! Zufrieden ging es
weiter Richtung Heimat. Bleibt nur zu sagen "schee wars
wieder!"
Bericht:
Lisa
Piendl 
Fotos: Norbert
und Herbert