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Ein
anstrengendes Wochenende in den Hohen Tauern um die Essener Rostocker Hütte
(30.3.
- 1.4.2007)
Der Alpinwetterbericht hatte nach
vielen vorausgehenden Schönwettertagen bis zu 30 cm Neuschnee angesagt
für dieses Wochenende mit schönem Wetter am letzten Tourentag, also
die „ideale“ Voraussetzung für eine anspruchsvolle Hochtour. Nach
reiflicher Überlegung entschied sich die Gruppe – es waren Johann und
Sepp Berger, Robert Hanisch, Martin und Georg Eckhart, Herbert Reiter,
Pauli Bartl, Christine Thaller und Tourenleiter Heini Riesemann- die
Tour anzupacken. Nachdem alle dank moderner Telekommunikation den
Abfahrtstreff geortet hatten und die Ausrüstung vervollständigt war,
landeten wir nach gut 2 Std. Autofahrt in Prägraten, dem Talschluß des
Virgentales. Bei uns noch Sonnenschein, dort bereits Schneefall beim
Abmarsch. Endlich winterliche Verhältnisse beim zweistündigen Hüttenanmarsch,
hatten wir diese doch so lange vermisst.
Die auf 2200 m gelegene
Essener-Rostocker Hütte ist derzeit im Umbau und so wurde die früher
so vorzüglich geführte Hütte durch einen eigenwilligen Pächterwechsel
in den organisatorischen Chaos transferiert. Bei der mühsamen
Quartierbestellung bekam ich davon schon eine leise Vorahnung. Die Runde
Entschuldigungsschnaps vom Hüttenwirt zur Begrüßung und tatkräftiges
Einheizen durch unsere Männer ließen der Ersteindruck etwas besänftigen.
Am nächsten Morgen hatten wir schon 20 cm Pulverschnee. Die Sicht war
so ausreichend, dass wir den Aufbruch zur westlichen Simonyspitze (3486
m) wagten. Martin hatte die Wegpunkte im GPS festgehalten, waren wir
doch bestens in dieser neuen Orientierungshilfe durch Alois Herzig
geschult worden. Ich kannte die Tour aus dem Vorjahr und so hofften wir
trotz schwieriger Verhältnisse durch das teils sehr spaltige Simonykees
durchzufinden. Dies gelang uns bis zur 3000 m –Marke, dann große
Querspalten , die selbst mit GPS bei Nebel nur schwierig einzuordnen
waren. Eine herrliche Pulverschneeabfahrt stand uns bevor, anfangs am
Seil, dann mit freier Entfaltung. Das Angebot, wegen des schönen
Pulverschnees noch eine Nachmittagstour auf das Rostocker Eck
vorzunehmen, wurde von allen Teilnehmern angenommen. Der Weg war anfangs
flach und ging dieselbe Richtung wie zur Malhamspitze. Dann ging es
steil hinauf, die Sicht wurde zusehends schlechter, doch mit Karte,
Kompass, Höhenmesser und GPS fanden wir die Richtung, bis kurz unter
den Gipfel. Die Lawinengefahr war nicht mehr einzuschätzen und so
machten wir uns auf die Abfahrt im Traumpulver und Blindflug. Ein kräftiges
Abendessen hatten wir verdient. Am Abend riß die Wolkendecke auf, wir
sahen blauen Himmel, der nächste Tag versprach Gutes.
Um 7 Uhr Abmarsch mit Ziel
Dreiherrenspitze (3499 m), dem gewaltigsten und alpinsten Gipfel im
Bereich der Rostocker Hütte. Nach 2 ½ Std. waren wir am Reggentörl
auf 3056 m und es bot sich uns der Blick zum gewaltigen Umbalkees und
zur Dreiherrenspitze. Der Anstieg durch den Felshang Richtung
Gubachspitze ersparte uns die Abfahrt mit Wiederanstieg.
Dann ging es auf Höhe 3200 m in großer Schleife über das Kees,
bis uns rießige Quer- und Längsspalten und schlechte Sicht sehr viel
Gefühl und Orientierungssinn abverlangten. Dank Wegepunkte und langer
Erfahrung im Gletscher meisterten wir auch diese Hürde. Endlich am
Einstieg zur Steilflanke auf die Dreiherrenspitze. Kraftstrotz Sepp übernahm
die Spurarbeit – wir mussten übrigens
die ganze Strecke kraftraubend Spuren – und so kamen wir sehr rasch
zum Ausstieg der fast senkrechten Schneeflanke. Es war gottlob nicht so
hart, so dass wir noch mit den Skischuhen Tritte schlagen konnten,
hatten wir doch die Steigeisen wegen des Gewichtes auf der Hütte und
nur einen Pickel je Seilschaft mitgenommen. Ein kurzes Seil erleichterte
den Steilaufstieg, so dass alle das Plateau erreichten. Ein ganz großes
Lob an unsere einzige weibliche Teilnehmerin.
Leider ließen einige den Rucksack und
die Skier wegen des mühsamen Aufstiegs irrtümlich zurück und so war
die Chance für den Gipfelanstieg vertan. Um 13 Uhr waren dann sechs
Teilnehmer auf dem Gipfel. Der grandiose Rundblick dauerte aber nur
Minuten, dann drängten uns kalter Wind und Nebel zum Abstieg. Der Rückweg
mit Gegenanstieg über das Kees ist war nach dem langen Aufstieg recht mühsam,
doch die Genussabfahrt vom Reggentörl entschädigt vieles.
Nach 11 Stunden waren wir zurück auf
der Hütte. Hier teilte uns der Hüttenwirt mit, dass ein Talabstieg
wegen Lawinengefahr nicht möglich sei. Eine schwierige Entscheidung für
einen Tourenleiter. Mit kontrolliertem Abstand in den gefährlichen
Abschnitten konnten wir auch dies unbeschadet überstehen. Nach diesem
langen Tag hatten wir uns ein Bier in der Alten Mühle in Matrei wohl
verdient bevor es spät in der Nacht nach Hause ging.

Vordere und Hintere Gubachspitze |

Simoneykees mit Östlicher und Westlicher Simoneyspitze |

Blick zum Reggentörl |

Auf dem Weg zum Reggentörl mit erster Rast |

Blick zurück zur Rostocker Hütte |

Östliche Simoneyspitze |

Stark zerklüftetes Umbalkees |

Am Gipfle der Dreiherrenspitze |

Dreiherrenspitze mit Umbalkees |
Bericht und Fotos: Heinrich Riesemann
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