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Transalp I
(15. bis 21.6.2006)
1. Tag: Traunstein - Ruhpolding -
Walchsee - Ebbs - Kufstein - Wörgl - Radfeld
Der endlos lange Winter ließ bei den
11 Teilnehmern schon Zweifel aufkommen, ob wir neben dem
unbedingt nötigen Gepäck auch noch Gamaschen in unserm Rucksack
verpacken müssen, um in den Hochlagen noch den reichlich vorhandene
Schnee zu überwinden. Aber unser Guide Herbert Reiter konnte bei der
Vorbesprechung alle beruhigen, dass es wohl nicht ganz so schlimm werden
wird und wir bestimmt in den Sommer starten werden. So war es dann auch.
Am Frohnleichnamstag starteten wir zu siebt in Traunstein bei strahlend
blauen Himmel in Richtung Hörgering, wo wir von Regina und Helmut mit
Rucksack bepackt empfangen wurden. Der Weg führte über Ruhpolding
vorbei an Blumenwiesen zum Weitsee. Der erste Rast auf der
Aussichtskanzel ermöglichte dank moderner Telekommunikation noch
herzliche Glückwünsche zum runden Geburtstag an unser AV-Mitglied
Lilo. Weiter ging es über Reit im Winkl nach Oberbichl mit herrlichem
Blick zum Wilden Kaiser. Bei unserer Mittagspause am Ostufer vom
Walchsee luden wir unseren lieben Sepp aus München auf. Er durfte Hilde
vertreten, die ein paar Tage vorher ihr Knie bei einer Bergradltour
lädierte und die Tour nur noch mit Krücken verfolgen konnte. Gestärkt
ging es zu der auf einer schönen Aussichtskanzel gelegenen
Wallfahrtskirche St. Nikolaus bei Ebbs, wo wir noch für ein gutes
Gelingen der Tour bitten konnten. Bei Ebbs gelangten wir auf den
Inntalradweg, von wo wir mit warmen Rückenwind
innaufwärts getragen wurden. Nach einer Kaffepause auf dem
Stadtplatz in Kufstein fuhren wir in noch nie erlebter Schönheit
entlang dem Inn nach Radfeld, wo wir in einer guten Gaststätte die
erste Nacht verbrachten
2. Tag: Radfeld - Zillertal -
Schlegeisspeicher - Pfitscherjoch
Der 2. Tag sollte eine Kraftprobe werden. Als Ziel war das
Pfitscherjoch auf 2251 m Höhe angesagt. Nach gutem Frühstück ging es
zuerst durch die angeblich älteste Stadt Österreichs Rattenberg, wo
wir dann kurz darauf in das Zillertal einbogen. Ein schöner Radweg
entlang der Ziller brachte uns mit einem frühen Gewitter im Rücken
nach Mayerhofen. Nun wurde es ernst. An der Weggabel Tuxer Tal radelten
wir auf der alten Schlegeisstrasse hinauf Richtung Schlegeisstausee.
1600 Hm und 34 km Wegstecke waren noch zu überwinden.Vor der Mautstelle
gab es noch eine schöne Einkehr. Den Tunnel mussten wir auf einer
schmalen Schotterstraße umfahren , dann sahen wir schon die mächtige
Staumauer. Noch einige Schweißtropfen waren erforderlich, bis wir nach
den langen Serpentinen auf der Dammkrone standen. Es lagen aber noch
zwei Stunden steiniger Weg vor uns zum Pfitscherjoch. Der Bergbach und
die herrlichen Enzianwiesen ließen alle Mühe vergessen, zudem
beschleunigte ein Gewitter von Norden unser Tempo. Die ersten
Schneefelder waren zu überwinden, aber alles ohne Probleme. Die
freundliche Wirtin von der Pfitschjochhütte erwartete uns bereits als
erste Radlgruppe dieser Saison. Wir hatten gerade noch die Räder
versorgt, dann goss es schon wie aus Kübeln. Bei einer guten Flasche
Rotwein konnte uns dies nichts anhaben, waren wir doch alle gut
angekommen. Auf der Hütte war die Gruppe dann auch vollzählig, Irmgard
war uns bereits einen Tag vorausgeeilt. Wie gut man auf einer Hütte
schlafen kann, hat Sepp zur Freude seiner Zimmergenossen von sich
gegeben, was sich aber noch rächen sollte.
3. Tag: Pfitscherjoch - Sterzing -
Brixen - Schrambach - Felthurns - Latzfons
Am 3. Tag, es war Samstag
der 17. Juni, war unser Ziel Latzfonds oberhalb Klausen im
Eissacktal. Eine traumhafte Abfahrt ins Pfitschtal mit 1300 Höhenmeter
und 24 km Länge bis Sterzing stand uns bevor, vorbei am Möseler und
Hochfeiler in wolkenloser Morgenstimmung, einfach gigantisch. In
Sterzing war bereits reges Markttreiben, ein Sandler fand an unseren hübschen
Frauen gefallen, was jedoch gottlob einseitig blieb. Ein schöner und
teilweise neuer Radlweg entlang der Eissack ließ das sonst nur von der
Autobahn bekannte Tal in einem ganz anderen Bild erscheinen. Am Vahrner
See hatten wir eine schöne Einkehr, einige nutzten noch eine Abkühlung
im See. Weiter abwärts auf dem Brennerradweg kamen wir in die schöne
Stadt Brixen und von dort
bis nach Schrunbach. Nun war eine steile Asphaltstraße nach Feldthurns
zu einer schönen Kaffeelaube angesagt. Ganz schön schweißtreibend bei
30 Grad in der Nachmittagssonne. Nochmals 300 Hm bis Latzfonds hoch über
der Eissack auf 1160 m Seehöhe. Ein sehr schön gelegenes Bergdorf
mit Blick zum Haunold
, den Geißlerspitzen , den Sellastock,
der Seiser Alm und zum Schlern.
Wir wurden sehr liebenswert in einem Bauernhof aufgenommen, nur Sepp
durfte im schalldichten Besenkammerl ungestört von seinen Kameraden übernachten.
Damit er nicht ganz allein verweilen musste, hatte ihm die holde
Weiblichkeit noch einen Brettladen zur Seite gestellt.
4. Tag: Latzfons - Kasereck - Reinswald
- Astfeld - Sarntheim - Bozen - Girlan
Der Ort war geschmückt für das Fronleichnamsfest. Die
Gebirgsschützen salutierten uns zum Start für die Bergetappe. Mit noch
schweren Beinen vom Vortag ging es bei wiederum wolkenlosen Himmel
gleich am frühen Morgen eine endlos lange und steile Bergstraße hinauf
zur Kasereckalm. Die Schweinshaxen im Grill waren zwar verlockend, doch
es stand uns noch eine schwere Wegstrecke bevor. Nach einer weiteren
Radlstunde vorbei an mit Enzian übersäten Bergwiesen waren wir auf der
Jochalm über dem Sarntal. Ein herrlicher Rundblick über die ganzen
Dolomiten belohnte die anstrengende Auffahrt. Von 2100 m Seehöhe ging
es nun auf einer grimmigen Downhillstrecke hinab nach Reinswald auf 1492
m und weiter nach Sarntheim. Ein schöner Biergarten lud uns zum
verdienten Mittagsessen ein. Die
nun folgende Abfahrt nach Bozen war eine Schau, auch wenn die finstren
Straßentunnels nicht immer ganz ungefährlich waren. Um 15 Uhr waren
wir in der Altstadt von Bozen. Wir hatten 2000 Hm Abfahrt hinter uns.
Der teilweise neue Radlweg nach Girlan ist beispielhaft. Heini und Sepp
fuhren um die Bergwertung, doch Helmut beobachtete das Duell und zeigte,
wer noch Muckis hat. Ein schönes Hotel in Girlan inmitten der Weinberge
vollendete den herrlichen Tag.
5. Tag: Girlan - Auen - Mezzocorona -
Sparmagiore - Andola - Molveno
Nach einem tollen Frühstück radelten wir zu den Montigler
Seen mit einer kleinen Badepause. Mitten durch die Wein- und Obstgärten
ging es hinab zum Kalterer See und am Radweg der Etsch entlang bis nach
Mezzocorona. Von dort bogen wir ab in die Berge Richtung Tonalepass ab.
In S. Milano stärkten wir uns noch für den bevorstehenden Aufstieg.
Die heiße Nachmittagssonne begleitete uns hinauf entlang dem Sporeggio
Bach, zuerst auf einer kleinen Asphaltstraße und dann auch
Schiebstrecke im Schotter, bis zum Wintersportort Andalo auf 1170 m Seehöhe. Nun hatte unser Guide Herbert noch einen Leckebissen parat.
Einen Trail über 300 Hm
hinab zum Lago di Molveno auf 800 m Seehöhe.. Gottlob ohne Blessuren
standen wir plötzlich vor dem herrlich in der Brenta liegenden Bergsee.
Wir hatten Glück. Das antike Hotel direkt am See hatte noch Plätze für
uns frei. Dort wurden wir kulinarisch vom Feinsten verwöhnt.
6. Tag: Molveno - Nembia - Ranzo -
Pietramurata - Dro - Arco - Riva
Gut ausgeschlafen und wieder bei wolkenlosem Himmel erwärmten
wir unsere Beine entlang dem Molvenosee hinunter bis Nambia wo wir links
in eine Kiesstraße einbogen. Oberhalb des Fiume öffneten sich uns mächtige
Tiefblicke in die Ranzo Schlucht. Auf dem Weg Nr. 613 ging es nun
gewaltig steil hinab zum Tobolinosee, wo uns ein heißer südwind aus
dem Arcotal empfing. Auf dem Trail der Senta della Maroche entlang der
Sarca gelangten wir nach Dro und von dort weiter nach Arco.
Pizzaschnitten und Eis waren das richtige Mittagsgericht.
Um 15 Uhr standen wir alle überglücklich, ohne Blessuren und ohne eine
einzige Panne am Ufer des Gardasee.
7. Tag: Torbole - Rovereto, Heimfahrt
mit Zug
Herbert hatte für uns ein schönes Hotel in Torbole
reserviert. Gut erholt machten wir uns auf den Radlweg nach Rovereto.
Dabei konnten wir noch den Klettersteig bei Nago studieren, den unsere
Bergfreunde bereits in diesem Jahr bestiegen. Ein letzter Blick zurück
zum See bevor es hinunter nach Rovereto ging. Unser Zug kam pünktlich,
so dass wir um 14.30 Uhr in den Zug Richtung Brenner stiegen. Bei der
Heimfahrt hatten wir noch genügend Zeit, uns über die Erlebnisse
auszutauschen und die herrlichen Eindrücke in uns wirken zu lassen.
Eine schöne Bergradlwoche war zu Ende, von Herbert bestens vorbereitet
und durchgeführt, für alle Teilnehmer eine bleibende Erinnerung.
Für die Statistiker: (km/Hm/reine Fahrzeit)
1. Tag: Traunstein – Radfeld 119/951/6:50
2. Tag: Radfeld – Pfitscherjoch 72/1791/6:25
3. Tag: Pfitscherjoch – Latzfonds 85/942/5:05
4. Tag: Latzfonds - Girlan 66/1307/4:55
5. Tag: Girlan – Lago di
Molveno 74/1344/5:30
6. Tag: Lago di Molven – Riva 50/276/5:30
7. Tag. Heimfahrt
Fotos: Herbert Reiter
Text: Heinrich Riesemann
Internetbearbeitung: Alois Herzig
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